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Hör endlich auf, dein Tagebuch zu schreiben!

Gähnende Leere.
Sie starrt mich an.
Sie springt mir entgegen wie eine wütende Bestie.
Dabei wollte ich nur für ein paar Minuten mein Tagebuch schreiben.
Doch ich habe nur einen lächerlichen Satz zustande gebracht, obwohl ich gefühlt schon die halbe Nacht über den leeren Seiten brüte.
Einen! Satz.
Ich schmeiße die besch... Kladde in die Ecke und gehe frustriert ins Bett.

Tagebuch schreiben: Frust statt Lust?


Es gibt viele Gründe, ein Tagebuch zu schreiben. Es lässt uns abends zur Ruhe kommen, wir bauen Stress ab und gewinnen Abstand zu den Ereignissen des Tages.
Doch was, wenn das, was Stress abbauen soll, zum Stressfaktor wird?
Dann kannst Du mit einfachen Mitteln Frustration verhindern und (wieder) Lust auf dein Tagebuch bekommen.
Vielleicht kennst Du das:

  • Dir fehlt die Zeit und/oder die Energie, dich abends hinzusetzen und zu schreiben
  • Du hast das Gefühl, das 'Drauflos-Schreiben' bringt dir nichts (mehr)
  • Irgendetwas fehlt, aber Du weißt nicht genau, was es ist
  • Manchmal hast Du einfach keine Lust ...

Dabei könnte es so gut sein!
Beim Tagebuch schreiben den Tag mit seinen Ereignissen loslassen und Spannungen lösen. Abstand gewinnen, Emotionen klären und Zusammenhänge sehen, die uns während des Tagesgeschäftes verborgen blieben.
Man nennt es Psychohygiene: Den eigenen Gefühlen über eine Handlung - dem Schreiben – Ausdruck verleihen und sie darüber dem Bewusstsein zugänglich machen.

Aber Trotzdem: Du schreibst nur unregelmäßig, obwohl Du das alles weißt und obwohl Du spürst, dass es Dir guttun würde.
Ist vielleicht das Schreiben der Grund, der Dich bisher vom Tagebuch schreiben abgehalten hat?

Schreib dein Tagbuch ohne ein einziges Wort in dein Tagebuch zu schreiben

Hä?
Ein Tagebuch schreiben ohne Worte - wie soll das denn gehen? Na ja, eigentlich sollte es heißen: Mal dein Tagebuch. Oder zeichne es, kritzel es, schmier es hin.

  • Kritzeln kann helfen, (Schreib-) Blockaden zu lösen.
  • Durch Zeichnungen und Bilder, Farbe und Form gewinnen Tagebucheinträge an Ausdruckskraft.
  • Zeichnen und Malen trainiert das bildhafte Denken, das ganzheitliche Erfassen. So können wir Probleme effektiver lösen. Erst dann sind wir in der Lage, Veränderung zu bewirken.


Wann hast Du zum letzten Mal etwas wirklich hingeschmiert?

Ja, ich weiß, in der Schule wurde uns immer gesagt, wir sollten nicht so schmieren (womit meist eine unleserliche Schrift gemeint war). Doch Du bist nicht mehr in der Schule und dein Tagebuch geht niemanden etwas an - außer dir. Das ist ein ur-persönlicher Raum, ganz allein für dich. Hier kannst Du  machen, was Du willst, hier kannst Du  alles rauslassen, was Du sonst oft genug herunterschluckst.
Du kannst dich zeigen wie Du bist.

Tagebuch schreiben baut Stress ab. Tagebuch malen erweitert den Selbstausdruck.

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Tagebuch schreiben und malen

Probier es aus.
Lege dir ein paar Stifte zurecht, bevor Du anfängst:

  • einen Satz Buntstifte 
  • farbige Fineliner
  • wasservermalbare Stifte
  • farbige Kreiden
  • Pinsel und Tuschkasten/Aquarellfarben
  • Was dir sonst noch so einfällt – wie ist es mit Schere, Buntpapier und Kleber für Collagen?
  • Oder Herbstblätter und andere Untergründe zum Durchreiben mit einem Bleistift?

... Alles ist erlaubt! Nimm das, was dir Spaß macht.

Ein gemaltes Tagebuch muss nicht zwangsläufig das gebundene Buch sein, das wir kennen. Wenn Du zum Beispiel gerne mit Wasser- oder Aquarellfarben arbeitest, ist ein Zeichenblock mit dem entsprechenden Papier besser geeignet. Die geleimten Ränder eines Aquarellblocks sorgen dafür, dass sich das Papier durch die Feuchtigkeit nicht wellt und es gibt sie auch in kleinen Formaten.
Später kannst Du diese Blätter in einer schönen Mappe sammeln.

Tagebuch schreiben und malen kann so einfach sein

Oder fällt es dir schwer, mit dem Zeichnen oder Malen zu beginnen?
Kein Problem.

Du kennst das bestimmt.
Ein Telefonat dauert etwas länger. Du sitzt am Schreibtisch und, fast ohne es zu merken, hast Du einen Stift in der Hand und zeichnest Kringel auf das nächstbeste Stück Papier, dass dir unter die Finger kommt. Zu den Kringeln kommen Strichmuster, Kästchen und noch mehr Kringel. Je nachdem, wie lange das Gespräch dauert, hast Du mehr oder weniger das ganze Blatt vollgemalt.  

Ähnlich kannst Du dich bei deinen Tagebucheinträgen an das Zeichnen oder Malen herantasten.
Wenn sich eine natürliche Pause im Schreibfluss ergibt, male Kringel, Strichmuster oder Kästchen in dein Tagebuch - wie das Kritzeln beim Telefonieren. Es macht nichts, wenn sie in den bereits geschrieben Text rutschen. Genauso wie Du in ein Bild Worte oder Kommentare einfügen darfst.

Oder Du wechselst ganz bewusst den Stift.
Farbige Tinte, Buntstifte o. Ä. geben deinen Skizzen  zu den Ereignissen des Tages mehr Ausdruck und Tiefe. Oft deutlich mehr als es geschriebene Worte vermögen.
Nimm den Stift in die Hand und lass dich von deinem Impuls leiten. Es muss kein Kunstwerk sein, das dabei entsteht, im Gegenteil. Auch wenn es nur ein einziger Punkt bleibt, das ist ok.
Dann ist es für dieses Mal halt nur ein Punkt.

Ein Punkt braucht nicht viel Zeit

Den schaffst Du sogar, wenn Du nach einem anstrengenden Tag einfach nur schnell Schlafen gehen willst.
Vielleicht bekommt der Punkt schon am nächsten Abend Gesellschaft von einem Kollegen oder seinem Verwandten, dem Strich.
Das reicht, mehr braucht es nicht.

Alles andere wird sich entwickeln, wenn Du dem Punkt die Freiheit lässt, sich auszubreiten, in eine Form oder eine Fläche zu wachsen.
Möglicherweise entdeckst Du dann in einem Gewirr von Strichen eine Form, der Du nachgehen möchtest. Folge deinen Eingebungen, forsche weiter, tauche tiefer in die Welt der Formen und Farben.
In deinem Tagebuch darf alles so sein, wie es auftaucht.

Nimm dir für heute vor, die ersten Kringel in dein Tagebuch zu zeichnen.
Oder benutze einfach einen farbigen Stift zum Schreiben.
Verändert sich dadurch etwas? Wie fühlt es sich an?
Genieße es, Dir diese Freiheit zu schenken.
Lass dich überraschen.
Von einem Punkt.

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